Stummfilmfestival: Opium (D, 1918)

Karten: 10 € / ermäßigt 7 €, Dauer: 60 min | Der neu rekonstruierte Thriller des archaischen Kinomodernisten Robert Reinert verbindet exotischen Orientalismus mit erotischen Schauwerten. Der Wissenschaftler Prof. Gesellius studiert in China die Wirkung des Rauschmittels Opium und befreit die schöne Sin aus den Fängen des Opiumhändlers Nung-Tschang. Daraufhin wird er von dem rachsüchtigen Chinesen über seine Heimat bis nach Indien verfolgt und fällt schließlich selbst der Droge zum Opfer.

Mit der Lichtdramaturgie und den raumtiefen Aufnahmen seines Kameramanns Helmar Lerski erschafft Reinert rauschhafte Traumsequenzen und eine Metaphorik, die bereits den filmischen Expressionismus einleitet. Zudem registriert Opium mit seiner »halluzinatorischen Filmsprache« (Tobias Nagl) die durch Morphine und Granatschock ausgelösten mentalen Zustände der Fronterfahrung im Ersten Weltkrieg. Eine kontroverse Wiederentdeckung eines bisher vernachlässigten Regisseurs.

Opium erlebte im Weimar des Jahres 1919 insgesamt zwölf Vorführungen in Scherffs Lichtspielhaus (07.03. – 10.03.1919).

»Dieser ›Monumentalfilm‹ schwelgt geradezu in ›Sensationen en gros‹. Fast jede Szene ist in ihrer Eigenart eine kleine ›Sensation‹. Das größte Lob an dieser Arbeit gebührt dem Spielleiter Reinert. Von besonderer Wirkung ist die Wiedergabe der Opiumträume: im Rausche wirbeln Erlebnisse und Phantasie in unkenntlichem Durcheinander vorbei. Es gibt keine andere Darstellungsmöglichkeit, die die Wirkungen des Opiumgiftes in einer derartigen Lebenswahrheit wiederzugeben vermag. Hier versagen Bühne und Buch, nur die Technik des Kinematographen triumphiert.« Eric Jacobsohn, aus: Der Kinematograph Nr. 631 vom 05.02.1919.

Schock der Freiheit
Mit der Gründung der Weimarer Republik beginnt auch für das Weimarer Kino das goldene Zeitalter des deutschen Films. Nach der Kaiserherrschaft und den Schrecken des Ersten Weltkriegs spiegelt sich der plötzliche »Schock der Freiheit« (Siegfried Kracauer) in den eskapistischen Lustspielen, glamourösen Spektakeln und düsteren Leinwandfantasien des Films. Anhand der rekonstruierten Spielpläne der lokalen Kinos »Scherffs Lichtspielhaus« und »Reform Licht-Spiele« zeigen das Lichthaus Kino, die Bauhaus-Universität Weimar, das Kunstfest Weimar und das Weimarer Stadtarchiv in Zusammenarbeit mit international renommierten Musiker*innen und Gästen eine Stummfilm-Retrospektive mit seltenen Werken, die sich vor genau 100 Jahren als Publikumsmagneten erwiesen und an das filmische Kulturerbe aus der Perspektive der Stadt Weimar erinnern. Historische Wochenschauen ergänzen die Hauptfilme.

Weitere Stummfilme mit Live-Musik in der Retrospektive »Schock der Freiheit«:

26.8., 19:45
Die Dame, der Teufel und die Probiermamsell (D, 1919) & Dida Ibsens Geschichte. Ein Finale zum »Tagebuch einer Verlorenen« von Margarete Böhme (D, 1918)

27.8., 19:45
Pax Æterna. Der ewige Frieden (DK, 1917)

28.8., 19:45
Rose Bernd (D, 1919)

31.8., 15:00
Im deutschen Sudan (D, 1917)

1.9., 15:00
Der Rattenfänger von Hameln (D, 1918) u.a. Kurzfilme

1.9., 19:45
Der grüne Vampyr (D, 1918/19) & Die Austernprinzessin (D, 1919)

3.9., 19:45
Veritas Vincit. Die Wahrheit siegt! (D, 1918/19)

5.9., 19:45
Die Spinnen 1. Teil: Der goldene See (D, 1919)

Stephen Horne

Stephen Horne gilt als einer der führenden Stummfilm-Begleiter. Er ist seit über dreißig Jahren Hauspianist im »Londoner BFI Southbank«. Er spielte an den wichtigsten Kinos und Festivals Großbritanniens und nahm Musik für viele DVD-Veröffentlichungen von Stummfilmen auf. Als Pianist bezieht er oft andere Instrumente in seine Performances mit ein und schrieb auch einige Ensemblepartituren. Er tritt auch regelmäßig auf internationalen Festivals auf, so in Pordenone, Bologna, San Francisco, Telluride, Paris, Cannes, Hongkong, Bangkok, Shanghai, Istanbul, Berlin und Wien. 2014 bis 2018 wurde er fünf Jahre in Folge in der Kategorie »Best Screening with a Single Accompanist« der »Silent London«-Jahresumfrage gewählt.

www.stephenhorne.co.uk

 

Credits

Regie + Drehbuch. Robert Reinert

Kamera: Helmar Lerski

Darstellerin und Darsteller: Eduard von Winterstein, Hanna Ralph, Werner Krauss
Live-Musik: Günter A. Buchwald

Stummfilmfestival - Schock der Freiheit

Idee + Konzept: Dr. Simon Frisch, Gerrit Heber, Katrin Richter, Bauhaus-Universität Weimar / Sven Opel + Dirk Heinje, Lichthaus GmbH / Dr. Jens Riederer, Stadtarchiv Weimar / Richard Siedhoff

Förderung: Thüringer Staatskanzlei, Sparkassenstiftung Weimar - Weimarer Land, Sparkassen Kulturstiftung Hessen-Thüringen, Stadt Weimar, Bauhaus100-Fonds der Bauhaus-Universität Weimar, Freundeskreis der Bauhaus-Universität Weimar, Weimarer Republik e.V. 

Eine Veranstaltungsreihe von Lichthaus Kino, Bauhaus-Universität Weimar, Stadtarchiv Weimar und Kunstfest Weimar