Stummfilmfestival: Der grüne Vampyr (D, 1918/19) & Die Austernprinzessin (D, 1919)

Karten für beide Filme: 10 € / ermäßigt 7 €, Dauer: 45 min (1), 60 min (2) | Inhalt: 1. Film: In der hier gezeigten Folge schlüpft der Operettenschauspieler Heinrich Peer in die Rolle des berüchtigten Kriminalrats Anheim, der in einem niederländischen Moorgebiet einen gespenstischen Fall lösen soll. Ein zudem außerordentlich frühes Zeugnis für den »Vampirismus« im deutschen Film. | 2. Film: Ernst Lubitschs aufwendig choreographiertes Lustspiel über Reichtum, Erotik und Alkoholexzesse war im Kinojahr 1919 der am häufigsten vorgeführte Film in Weimar: Ein amerikanischer Geschäftsmann hat sein Vermögen mit Meeresfrüchten verdient und ist deshalb als »Austernkönig« bekannt. Seine verzogene Tochter, die »Austernprinzessin«, soll einen verarmten Prinzen heiraten, doch gerät sie versehentlich an den Dienstboten Josef und verursacht etliche Turbulenzen und Absurditäten. ...

1. Film:

Die Bedeutung des Detektivgenres für den frühen Film kann kaum überschätzt werden. Mit über einhundert Vorführungen im Jahr 1919 prägten die Kriminal- und Detektivserien mit den cleveren Spürnasen Stuart Webbs, Max Landa und Rat Anheim maßgeblich das Bild der Weimarer Lichtspielhäuser. Sie gingen aus dem Geist der Groschenromane und der Unterhaltungstheater hervor und standen im Fokus volkspädagogischer Kinoreformer. 

Im Anschluss folgt als Hauptfilm Ernst Lubitschs Die Austernprinzessin (D, 1919). Der Eintrittspreis gilt für beide Filmvorführungen.

2. Film:

Mit seiner »absichtlichen Selbstironie« (Béla Balázs) entlarvt Lubitsch zeitgenössische Filmmoden und verspottet die Pracht und die Eleganz der hochvornehmen Welt.

Die Austernprinzessin erlebte im Weimar des Jahres 1919 insgesamt 27 Vorführungen in den Reform Licht-Spielen und Scherffs Lichtspielhaus (24.10. – 27.10.1919, 04.11. – 06.11.1919, sowie vom 12.11. – 13.11.1919).

»250.000 Mark! Unerhörte Aufmachung! 300 Diener. Warum das? Nur weil Amerika in das Horn der Superlative stößt? Hat man von den Filmstädten in Amerika, von den 70.000 Mitwirkenden im Film Intolerance gelesen? Will man denen drüben damit imponieren? Man wird es bei diesem Film mit der Eleganz, dem Stil, dem Tempo, wie man es in unserem Film-Drama mit dem oft zitierten sogenannten ›logischen Spiel‹ und der unerhörten Lebendigkeit und Schmiß einer Pola Negri in Carmen kann.« B.E. Lüthge, Film-Kurier vom 22.6.1919.

Als Vorfilm wird die Episode Der grüne Vampyr (D, 1918/19) aus der Detektivserie »Rat Anheim« gezeigt. Der Eintrittspreis gilt für beide Filmvorführungen.

Schock der Freiheit
Mit der Gründung der Weimarer Republik beginnt auch für das Weimarer Kino das goldene Zeitalter des deutschen Films. Nach der Kaiserherrschaft und den Schrecken des Ersten Weltkriegs spiegelt sich der plötzliche »Schock der Freiheit« (Siegfried Kracauer) in den eskapistischen Lustspielen, glamourösen Spektakeln und düsteren Leinwandfantasien des Films. Anhand der rekonstruierten Spielpläne der lokalen Kinos »Scherffs Lichtspielhaus« und »Reform Licht-Spiele« zeigen das Lichthaus Kino, die Bauhaus-Universität Weimar, das Kunstfest Weimar und das Weimarer Stadtarchiv in Zusammenarbeit mit international renommierten Musiker*innen und Gästen eine Stummfilm-Retrospektive mit seltenen Werken, die sich vor genau 100 Jahren als Publikumsmagneten erwiesen und an das filmische Kulturerbe aus der Perspektive der Stadt Weimar erinnern. Historische Wochenschauen ergänzen die Hauptfilme.

Weitere Stummfilme mit Live-Musik in der Retrospektive »Schock der Freiheit«:

26.8., 19:45
Die Dame, der Teufel und die Probiermamsell (D, 1919) & Dida Ibsens Geschichte. Ein Finale zum »Tagebuch einer Verlorenen« von Margarete Böhme (D, 1918)

27.8., 19:45
Pax Æterna. Der ewige Frieden (DK, 1917)

28.8., 19:45
Rose Bernd (D, 1919)

31.8., 15:00
Im deutschen Sudan (D, 1917)

1.9., 19:45
Der grüne Vampyr (D, 1918/19) & Die Austernprinzessin (D, 1919)

3.9., 19:45
Veritas Vincit. Die Wahrheit siegt! (D, 1918/19)

4.9., 19:45
Opium (D, 1918)

5.9., 19:45
Die Spinnen 1. Teil: Der goldene See (D, 1919)

Maud Nelissen
Die niederländische Komponistin und Pianistin Maud Nelissen hat sich besonders der Stummfilm-Begleitung verschrieben. Sie arbeitete mit Charlie Chaplins letztem Arrangeur Eric James zusammen und tritt weltweit auf Festivals auf, u. a. mit ihrem Ensemble »The Sprockets«.

www.maudnelissen.com

 

Credits

1. Film: Der grüne Vampyr

Regie + Drehbuch: William Kahn
Darsteller: Heinrich Peer
Live-Musik: Maud Nelissen

2. Film: Die Austernprinzessin

Regie + Drehbuch: Ernst Lubitsch
Darstellerinnen und Darsteller: Ossi Oswalda, Victor Janson, Harry Liedtke, Julius Falkenstein
Live-Musik: Maud Nelissen

Stummfilmfestival - Schock der Freiheit

Idee + Konzept: Dr. Simon Frisch, Gerrit Heber, Katrin Richter, Bauhaus-Universität Weimar / Sven Opel + Dirk Heinje, Lichthaus GmbH / Dr. Jens Riederer, Stadtarchiv Weimar / Richard Siedhoff

Förderung: Thüringer Staatskanzlei, Sparkassenstiftung Weimar - Weimarer Land, Sparkassen Kulturstiftung Hessen-Thüringen, Stadt Weimar, Bauhaus100-Fonds der Bauhaus-Universität Weimar, Freundeskreis der Bauhaus-Universität Weimar, Weimarer Republik e.V. 

Eine Veranstaltungsreihe von Lichthaus Kino, Bauhaus-Universität Weimar, Stadtarchiv Weimar und Kunstfest Weimar